Der Antreiber „Sei perfekt“
20. Juli 2026 · 1 Min. Lesezeit
Wenn gut nie gut genug ist
Du liest einen Text dreimal, bevor du ihn abschickst. Du siehst zuerst den einen Fehler, nie die neun Dinge, die gelungen sind. Ein Projekt fühlt sich erst dann fertig an, wenn es keine Angriffsfläche mehr bietet — was in der Praxis heißt: nie.
Das ist kein Perfektionismus im Sinne von hohem Anspruch. Es ist ein Antreiber — ein früh erlerntes Programm, das einmal genau das war, was gebraucht wurde. Vielleicht gab es Lob nur für Leistung. Vielleicht war Fehlerfreiheit der einzige Weg, sich sicher zu fühlen in einem Zuhause, das wenig Sicherheit bot.
Der Antreiber „Sei perfekt“ schützt. Er hat nur einen blinden Fleck: Er kennt kein Ende. Und ein System, das kein Ende kennt, erschöpft irgendwann auch das Umfeld, das es leisten soll.
Zu verstehen, woher „Sei perfekt“ kommt, verändert nicht sofort das Verhalten. Aber es verändert die Beziehung dazu. Aus „Ich bin nie gut genug“ wird „Da ist ein altes Programm, das gerade läuft.“ Und das ist der erste Moment, in dem echte Wahl überhaupt möglich wird.
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